Empirische Transformationsforschung

Wie verändern sich Wirtschaft und Gesellschaft unter dem Druck ökologischer, technologischer und sozialer Umbrüche – und welche Faktoren bestimmen, ob solche Veränderungen gelingen?
Die empirische Transformationsforschung am Lehrstuhl untersucht die Bedingungen, Dynamiken und Erfolgsfaktoren tiefgreifender geselschaftlicher Wandlungsprozesse. Im Zentrum steht die Frage, wie ökonomische, politische und psychologische Einflussgrößen zusammenwirken, wenn Individuen, Organisationen, Unternehmen und Staaten vor der Aufgabe stehen, nachhaltige Entwicklung praktisch umzusetzen.

Unsere Forschung kombiniert interdisziplinäre Theorieansätze aus der Ökonomie, Psychologie und Transformationswissenschaft mit quantitativen und qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung. Ziel ist es, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für Politik, Bildung und Wirtschaft zu entwickeln, die nachhaltige Transformationsprozesse fördern – und dabei sowohl gesellschaflticher Akzeptanz als auch intrinsische Motivation berücksichtigen.

Damit leistet der Forschungsschwerpunkt einen Beitrag zur Frage wie transformative Politik langfristig Wirkung entfalten kann.

Aktuell laufende Forschungsprojekte:

1. Success Factors of Sustainability Transformation: An Interdisciplinary Policy Model and Empirical Insights from Germany (Stefan Diestel und Lambert T. Koch)

Fragestellung: Wie gelingt die gesellschaftliche Nachhaltigkeitstransformation – und warum stoßen selbst gut begründete politische Maßnahmen oft auf begrenzte Akzeptanz? Dieses Forschungsprojekt untersucht die Erfolgsbedingungen einer nachhaltigen Transformation auf Basis eines interdisziplinären Modells, das ökonomische, bildungsbezogene und sozial-psychologische Faktoren verbindet.

Empirisches Vorgehen: Empirisch stützt sich die Studie auf eine deutschlandweite Längsschnittbefragung (n = 383), die Zusammenhänge zwischen politischen Rahmenbedingungen, individueller Motivation und nachhaltigem Verhalten analysiert.

2. Zwischen Gesetz und Gewissen – eine empirische Untersuchung zur politischen Arbeitsteiligkeit im Zuge einer Intrinsifizierung nachhaltigen Verhaltens (Franziska Hilger und Lambert T. Koch) 

Fragestellung: Wie können staatliche Vorgaben und individuelle Überzeugungen so ineinandergreifen, dass nachhaltiges Verhalten dauerhaft verankert wird? Dieses Forschungsprojekt untersucht die Bedingungen erfolgreicher Nachhaltigkeitspolitik im Zusammenspiel von gesetzlicher Steuerung ("top down") und lokaler Eigeninitiative ("bottum-up"). 

Empirisches Vorgehen: Im Mittelpunkt steht das Konzept der "Intrinsifizierung" – der Übergang von äußerlich angestoßenem zu innerlich motiviertem nachhaltigem Handeln. Auf Basis von leitfadengesetützten Expert:inneninterviews mit Vertreter:innen aus Bund, Ländern, Kommunen und der Politikberatung wird analysiert, wie politische Ebenen zusammenwirken, um diesen Prozess zu fördern.

3. Nachhaltigkeitstransformation huckgepack: Potenziale urbaner Großprojekte für die Initiierung von Intrinsifizierungsprozessen - am Beispiel einer Bundesgartenschau (Franziska Hilger, Dominik Bartsch & Lambert T. Koch)

Fragestellung: Inwiefern können urbane Großprojekte wie Bundesgartenschauen (BUGA) als Katalysatoren für nachhaltige Stadtentwicklung wirken – und unter welchen Bedingungen gelingt es, dass angestoßene Veränderungen über das Projekt hinaus intrinsisch weitergetragen werden?
Das Forschungsprojekt untersucht, ob und wie durch zeitlich begrenzte, extern initiierte Großprojekte dauerhafte Transformationsprozesse in Städten ausgelöst werden können – insbesondere im Spannungsfeld zwischen politisch-administrativer Steuerung, gesellschaftlicher Dynamik und lokalen Handlungskapazitäten.

Empirisches Vorgehen: Im Zentrum steht das Konzept der „Intrinsifizierung“ – verstanden als Übergang von projektgetriebenen, extern induzierten Impulsen hin zu dauerhaft verankerten, eigenständig getragenen Nachhaltigkeitspraktiken in Stadtentwicklung und Governance.
Auf Basis von leitfadengestützten Expert:inneninterviews werden drei Fallperspektiven systematisch untersucht: (1) Städte mit bereits durchgeführter BUGA, (2) Städte in der Planungsphase sowie (3) ein Fall gescheiterter BUGA-Prozesse. Ergänzt wird dies durch eine Meta-Perspektive auf Basis von Interviews mit Akteur:innen der Bundesgartenschaugesellschaft.
Analysiert werden insbesondere Governance-Strukturen, Ressourcenmobilisierung, Narrative sowie Lern- und Verstetigungsprozesse, um Muster erfolgreicher und weniger erfolgreicher Transformation zu identifizieren.

4. Von linearer zu zirkulärer Wertschöpfung: Strategien und Implementierungsprozesse in der Elektroinstallationsbranche (Annika Nähring) 

Fragestellung: Was hindert Unternehmen der Elektroinstallationsbranche an der Implentierung von zirkulären Prozessen? Ziel der Studie, ist die Entwicklung eines strategischen Entscheidungsmodells, bei welchem inbesondere organisationale, technologische, verhaltenspsychologische und politische Einflussfaktoren berücksichtigt werden. 

Empirisches Vorgehen: Neben einer umfassenden Literature Review, werden qualitative sowie quantitative Daten erhoben und ausgewertet. 

 

Bei Fragen zu unseren Forschungsprojekten wenden Sie sich gerne an Franziska Hilger: hilger@wiwi.uni-wuppertal.de